Bienengesundheit

Flügeldeformationsvirus

Das Auftreten des Flügeldeformationsvirus konnte bisher nur bei gleichzeitiger
Parasitierung der Völker mit Varroa destructor festgestellt werden. DWV kann sowohl in
Bienenbrut als auch in erwachsenen Bienen vorhanden sein. Es kommt häufig
gemeinsam mit dem Akuten Bienenparalysevirus vor.

Infektion

  • Die Parasitierung durch Varroamilben führt zu einer Übertragung der Viren auf Bienen oder Puppen
  • Auch Pflegebienen können Viren über das Futter auf Larven übertragen z.B. über Verletzungen
  • Auswirkungen auf das Bienenvolk
  • Die Schäden am Bienenvolk, die der Varroose zugeordnet werden sind zum
    Großteil auf die Auswirkungen der DWV-Infektion zurückzuführen!!!
  • Puppen, die im frühen Stadium befallen werden, haben schlecht ausgebildete,
    verstümmelte Flügel und die schlüpfenden Jungbienen sterben früh.
  • Absterben der Brut bei starkem Virusbefall (lückige Brut).
  • Lebensdauer der Bienen, die als Erwachsene infiziert werden, ist kaum verkürzt, jedoch fungieren diese Bienen als Viren-Reservoir.
  • Volk wird rasch schwächer.
  • Völkerzusammenbrüche oft innerhalb weniger Tage.

Verbreitung im Volk

  • Varroamilbe als Überträgerin
  • Weitergabe durch Fütterung (ist von geringerer Bedeutung) Verbreitung von Volk zu Volk – Scheint nur in Zusammenhang mit Varroose von Bedeutung zu sein.
  • Verflug
  • Räuberei
  • durch den Imker: z.B.: Austausch von Brutwaben, Vereinigen von Völkern.

Krankheitsbild

  • Ist häufig bei hohem Varroabefall zu beobachten
  • verstümmelte Flügel
  • verdrehte Flügel
  • lückige Brut
  • Absterben des Volkes

Vorbeugung

  • Varroabefall niedrig halten

Behandlung

  • Es ist kein Medikament für die Heilung von Virosen vorhandeln
  • die Reduktion des Varroabefalls ist die einzige Maßnahme, um die Virusinfektion
    einzudämmen.

Die Maikrankheit

Diese Krankheit tritt hauptsächlich in den Monaten April bis Juni auf und wird nicht durch einen Erreger, sondern durch witterungsbedingtem Wassermangel ausgelöst.

Wegen der hohen Brutkapazität müssen die Ammenbienen viel Futtersaft produzieren und fressen deshalb viel Pollen. Dieser saugt die Darmflüssigkeit auf. Durch Wassermangel führt dies zu Verstopfungen und den Bienen gelingt es nicht mehr abzukoten. Die betroffenen (Jung-)bienen sind flugunfähig und sterben durch Selbstvergiftung ab. Durch die begrenzte oder ganz ausfallende Produktion von Futtersaft verhungert die Brut und diese Ausfälle führen unmittelbar zu einem Einbruch in der Volksentwicklung.

Krankheitsbild und Kennzeichen:

Überwiegend junge Bienen mit aufgetriebenem HinterleibKot /Darminhalt ist fest (Gegensatz zu Nosematose, Amöbenruhr, Ruhr)Flugunfähige Bienen liegen, krabbeln oder zittern auf dem Flugbrett oder darunter (unspezifisches Krankheitsbild, tritt auch bei anderen Krankheiten auf)
Meist alle Völker eines Standes betroffen

Diagnose durch den Imker:

Eine krabbelnde Biene wird zwischen zwei Finger genommen und der Hinterleib leicht

zusammengedrückt. Der Kot wird als pastenförmige, zähe Masse aus dem Darm gedrückt

Verwechslung:

Eine Verwechslung mit anderen Krankheiten wie, Tracheenmilben-Befall, Nosematose oder Amöbenruhr ist möglich. Bei beiden letztgenannten ist der Kot jedoch meist flüssig. Endgültige Klarheit schafft eine mikroskopische Untersuchung.

Imkerliche Maßnahmen:

Die Bienen brauchen sofort Wasser. Empfohlen wird eine handwarme Zuckerlösung 1:1, die auf Bienen und Waben versprüht wird, bei leichter Erkrankung verfüttern.
Als Vorbeugung kommen eine entspr. Auswahl des Bienenstandes und/oder die Anlage einer Bienentränke in Frage.
Im Zweifel BSV des Vereins hinzuziehen (J. Louis, M. Wölfel, H.-J. Schmitz)

Amerikanische Faulbrut

Petrieschale mit Maikrankheit

Die Amerikanische Faulbrut ist eine Erkrankung der älteren Bienenbrut, nämlich der Streckmaden: Sie befinden sich in der bereits mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle. Im Erkrankungsverlauf löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf und es bleibt nur eine zähe, braune, schleimige Substanz übrig, die später zu einem dunklen Schorf eintrocknen kann. Die Bezeichnung „amerikanisch“ bezieht sich nicht auf ein Ursprungsgebiet, sondern auf den Ort der Entdeckung; die Krankheit tritt weltweit auf.

Kontrolle des Milbenfalls

Während der Behandlung ist unbedingt der Erfolg zu kontrollieren, indem für einige Tage die Stockwindel eingeschoben wird. Auf dem Bild ist eine Stockwindel zu sehen, die am Tage nach

Einlegen der Bayvarolstreifen fotografiert wurde. Die überwiegend adulten Milben sind rot gekennzeichnet. Auf dem Foto schwer zu erkennen sind die vielen Jungmilben. Es sind ca. 200 Milben erkennbar, eine genaue Zählung ist in diesem Fall nicht mehr erforderlich. Somit scheinen sich die Prognosen des Mayener Instituts Anfang diesen Jahres also zu bestätigen: die Belastung ist extrem hoch.

Dem betroffenen Volk scheint die Belastung derzeit noch wenig auszumachen, jedenfalls sind keine verkrüppelten Bienen zu sehen oder andere Anzeichen, die etwa auf einen Zusammenbruch hindeuten.

Das Bild der Hinterbehandlungsbeute zeigt eine übermäßige Aktivität am Flugloch, wobei auch kleinere „Ringkämpfe“ ausgetragen werden. Es sind keine Drohnen dabei. Deshalb ist zu vermuten, dass hier der Beginn einer Räuberei zu sehen ist. Das Volk ist ein einzargiger
noch relativ schwacher Ableger. Das Flugloch wurde bis auf 2 cm eingeengt. Dieses Volk bedarf einer eingehenden Beobachtung. Im äußersten Fall muss die gesamte Beute verstellt werden.

Bodenwindel mit Varroamilben Copyright Imkerverein Kirchhoven 1949 e.V.

Stockwindel am 22.08.2012 Copyright Imkerverein Kirchhoven 1949 e.V.

Kontrolle des Milbenfalls

Neun Tage nach Behandlungsbeginn (Bayvarolstreifen) ist zum ersten Mal eine signifikante Abnahme des Milbenfalls festzustellen. Fielen ab dem 3. Tag >300 Milben /Tag waren es ab dem 8. Tag unter 250/Tag. Es überwiegen zwar immer noch adulte Milben, die Anzahl der heller gefärbten etwas kleineren Jungmilben nimmt jedoch immer mehr zu. Innerhalb der nächsten 5 Tage wird die letzte Brut

schlüpfen, die vor Behandlungsbeginn verdeckelt wurde. Damit dürfte die Spitze des Milbenfalls endgültig überschritten werden.

Wie hier an dieser Fotoserie erkennbar ist, wirkt Bayvarol bereits unmittelbar nach Einlegen der Streifen. Der Wirkungsbeginn bei Thymolpräparaten (Api Life Var, Thymovar) ist deutlich später.

am 25.08.12 mehr als 650 Milben gezählt werden Copyright Imkerverein Kirchhoven 1949 e.V.

 

 

Flugloch der Hinterbehandlungsbeute Copyright Imkerverein Kirchhoven 1949 e.V.

Sommerbehandlung

Die Zeit des Abschleuderns ist da. Damit ist auch der Zeitpunkt für die „medikamentöse“ Reduzierung der Varroamilben gekommen. Vor einer Behandlung sollten die Völker mindestens mit 5 – 10 kg Futter versorgt sein. Für die Sommer- sprich: Langzeitbehandlung – stehen mehrere zugelassene Mittel zur Wahl:

Nassenheider Verdampfer im Einsatz

Nassenheider Verdampfer im Einsatz

Thymovar, Api Life Var
Bayvarol
Ameisensäure 60 %

diese Mittel wirken über längere Zeit durch Verdunstung. Die optimale Temperatur liegt zwischen 15 – 25 Grad. Die beiden Thymolpräparate und Bayvarol sind in der Anwendung einfach zu handhaben. Die

Plättchen bzw. Streifen werden gemäß der Gerauchsanweisung über den angegebenen Zeitraum in die Beuten eingehängt bzw. aufgelegt und danach wieder entfernt. Dies ist insbesondere für Bayvarol angezeigt, da es hier besonders schnell zur Resistenzbildung kommt.

Ameisensäure ist dagegen etwas komplizierter in der Anwendung. Anfängern wird empfohlen, dies zunächst nur unter Anleitung eines erfahrenen Imkers zu tun. Hier wird kurz die Schwammtuchmethode (von oben) beschrieben:
Man benötigt ein handelsübliches Schwammtuch, Ameisensäure und ein Dosierinstrument (Spritze). Schwammtuch und Ameisensäure werden vor Anwendung auf mind. 15 Grad gekühlt. Das Schwammtuch wird angefeuchtet oben auf die Rahmenoberträger gelegt und die Ameisensäure mit 2 ml/Wabe (oder 0,5 ml je L Rauminhalt) aufgebracht. Der Gitterboden ist geschlossen. Zusätzlich kann das Schwammtuch gegen Ausfressen geschützt werden (Gitter).
diese Anwendung wiederholt man dreimal in 5-7 Tagen. Fallen noch mehr als 100 Milben/Tag ist eine vierte Anwendung nötig.
Offene Brut geht i.d.R. zu Grunde. Zu beachten ist, dass insbesondere bei zu hoher Dosierung Königinnenverluste eintreten können oder auch die Bienen die Beute verlassen.
Im Fachhandel gibt es noch verschiedene Applikatoren, denen jeweils eine Bedienungsanleitung beigefügt ist.

In einem nächsten Kapitel wird als weitere – imkerliche – Methode die totale Brutentnahme

(Brutscheune) beschrieben.

ausgeschnittener Drohenrahmen Copyright Imkerverein Kirchhoven 1949 e.V.

 

Drohnenschneiden

Varroose – Drohnenschneiden

Beobachtungen haben ergeben, dass der natürliche Milbenabfall etwa zwei- bis dreimal so hoch ist wie im Vorjahr. Dementsprechend besorgniserregend hoch dürfte die tatsächliche Belastung der Völker sein.Da sich die Entwicklungszeit der Varroamilbe genau mit der des Drohnenimago in der geschlossenen Zelle deckt, nutzt die Milbe bevorzugt die Drohnenzellen zur eigenen Vermehrung.

Eine bewährte – teilweise aber umstrittene – Maßnahme zur Senkung der Belastung ist daher sog. das Drohnenschneiden. Im oberen Brutraum wurde spätestens mit der Erweiterung ein Rähmchen mit Anfangsstreifen – bei mir immer als zweites links – eingesetzt. Dieses dürfte jetzt bereits mit Drohnenwaben ausgebaut, bestiftet und verdeckelt sein. Bei der wöchentlichen Schwarmkontrolle nehmen wir es heraus und schneiden mit einem scharfen Messer an den Spanndrähten entlang die Drohnenzellen heraus. Das Rähmchen kann dann sofort wieder eingesetzt werden. (Bei sehr stark

entwickelten Völkern kann auch mit zwei Drohnenrahmen gearbeitet werden.)

Durch zwei- bis dreimaliges Drohnenschneiden kann die Milbenbelastung um bis zu 80 % gesenkt werden.

Was tun mit den unschönen Resten: Auf keinen Fall offen herumliegen lassen. Wer starke Neven hat entsorgt sie im Sonnenwachsschmelzer. Die eigenen Hühner (oder die des Nachbarn) verwerten sie auch gerne. Oder man vergräbt sie einfach im Komposthaufen.

Varroose

300px-Varroamilbe

(Bild aus Wikipedia)

Die Varroamilbe ist nach wie vor eine der Hauptursache für Bienenverluste. Entweder unmittelbar wegen Befall weit oberhalb der Schadschwelle oder mittelbar als Überträgervon Krankheiten, überwiegend verursacht von Viren.

Jetzt zu Beginn der neuen „Saison“ gilt es, sich ein wirksames Behandlungskonzept für das gesamte Jahr zu erarbeiten. Dieser Leitfaden soll hierfür zeitnah unter Berücksichtigung der regionalen Entwicklung der Völker Anregungen geben und Methoden vorstellen, die als Mischung aus medikamentösen Behandlungen und imkerlichen Maßnahmen im Verlauf des gesamten Jahres den Varroadruck aus den Bienenvölkern nehmen sollen.

Wenn noch nicht geschehen, sollten die Drohnenbaurahmen bereits beigegeben worden sein. Üblicherweise als zweite Wabe von links oder rechts im oberen Brutraum. An ihnen lässt sich nicht nur der Zustand des Volkes ablesen – bei gute Völkern ist er innerhalb weniger Tage ausgebaut und bestiftet – . Durch Herausnehmen der voll verdeckelten Drohnenwabe, sog. Drohnenschneiden, entfernt man bis zu 80 % der Varroamilben. Da der Entwicklungszyklus der Milbe sich mit dem der Drohne deckt, werden Drohnenwaben für die Milbennachzucht bevorzugt.

Eine weitere wirksame Maßnahme zur Senkung der Milbenbelastung ist die frühzeitige Bildung von Brutablegern. Da die Rapsblüte begonnen hat, können erste Ableger etwa spätestens Ende April gebildet werden. Die Ablegerbildung kann jedoch jetzt schon organisatorisch vorbereitet werden. ableger bzw. die den Waben aufsitzenden Bienen können z.B. mit Milchsäure (15 %) von ansitzenden Milben befreit werden.

Fragen zur Bienengesundheit im Allgemeinen oder Varroose im Speziellen beantworten gerne Eure „Vereins-BSV:

Josef Louis
Michael Wölfel
Hermann-Josef Schmitz