Einfach Imkern ? von H.J. Schmitz

Wenn UrUropa im 19. Jhrh. als aus heutiger Sicht altmodischer Korbimker an seine Bienen ging brauchte er weder Mittelwände, Rähmchen, Ösen, Abstandhalter, Einlötapparate noch Honigschleuder,  Entdeckelungsgeschirr, Wandergurte, Spannzange und dergleichen mehr. Meist diente die sowieso vorhandene Zigarre als Rauchapparat. Es war eben alles einfach. UrUropa nahm sich auch die Zeit, an seinen Körben auf den Schwarm zu warten. Wenn man so will, war es eben noch die gute, alte Zeit der Imkerei – aus damaliger Sicht.

Dies änderte sich schlagartig, als 1853 Freiherr von Berlepsch die Wabenrähmchen und 5 Jahre später Joh. Mehring die Mittelwände „erfand“. In der alten Welt zunächst in Hinterbehandlungsbeuten, später mit der Magazinbeute des Herrn Langstroth, brach sich der Mobilbau zusehends Bahn. Sicherlich hatte dies unbestreitbare Vorteile in der Imkerei, aber mit dem „Einfach Imkern“ ist es seitdem unwiederbringlich vorbei, auch, wenn uns dies mit Büchern, Vorträgen usw. ständig versucht wird, einzureden. Wer heute als Neuling in einen Imkerzubehörladen geht, muss schier verzeifeln, ob der Vielfalt an Material, was ihm dort zur Nutzung angeboten wird.

Unabhängig davon führte dieser Mobilbau auch von Beginn an zu Problemen, die man heute oft als unabänderlich hinnimmt. Zu Beginn war vor allem handwerkliches Können gefragt. Die Alten belächelten die Neuen, da diese im Winter mit Rähmchenbau und dergleichen beschäftigt waren. Waben waren ein kostbares Gut, dass viele Jahre verwendet wurde. Geld für Rähmchen, Mittelwände und der Zeitaufwand konnten nur durch lange Nutzungsdauer ausgeglichen werden.

Solche heute despektierlich als schwarze Schwarten bezeichneten Waben führten, vor allem wegen der Austauschbarkeit zur Verbreitung u.a. der Wachsmotte, Faulbrut und anderer Krankheiten. Diese permanenten und flächendeckend auftretenden Krankheitserscheinungen werden heute schicksalhaft hingenommen, so wie die Jüngeren ein Imkern ohne die Varroamilbe nicht mehr kennen.

Also das, was uns heute schon propangandamäßig angepriesene „Einfach Imkern“ ist lediglich der Versuch, die unübersichtliche Vielfalt an Gerätschaften und/oder Betriebsweisen auf das unbedingt Notwendige zu beschränken. Dies natürlich nur aus der Sicht dessen, der gerade die entspr. Meinung vertritt. Das beste Beispiel  hierfür ist auch der „Glaubenskrieg“ zwischen Anhängern des zweiteiligen und des ungeteilten Brutraumes aber auch die Versuche der „Toleranzzüchter“ unserer westlichen Honigbiene mittels Zuchtauslese zur Bekämpfung der Varroamilbe zu befähigen. Es hilft nichts: der Imker muss sich mit den Bedürfnissen seiner zu pflegenden Bienen beschäftigen und ihnen die bestmöglichen (Über-)Lebensbedingung bieten, mehr nicht.

Aber:

„Einfach Imkern“ ist Geschichte, finden wir uns damit ab.

Fotsetzung folgt!

Geschrieben und zusammengestellt von Hermann Josef Schmitz